Pressestimme
aus Neues Deutschland, 28.02.2008
Erinnerung an jüdische Mitbürger
Ein neuer Platz in Mahlsdorf wurde gestern nach der Familie Guthmann benannt
Von Klaus Teßmann
Am östlichen Stadtrand Berlins lebten in den Jahren vor 1943 viele jüdischen Familien. Es waren Arbeiter und Angestellte, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler. Und auch in Mahlsdorf wurden in der Reichs-pogromnacht am 9. November 1938 Geschäfte geplündert, jüdische Nachbarn deportiert und im KZ ermordet.
Einigen gelang noch die Flucht, sie bauten sich in der Emigration ein neues Leben auf. Viele jüdische Familien kamen jedoch in die Vernichtungslager nach Buchenwald und Auschwitz und wurden ermordet. Zu ihnen gehört auch die Familie Guthmann aus Mahlsdorf-Nord. Zur Erinnerung an sie wurde gestern im Beisein von Leopold Guthmann und Bürgermeisterin Dagmar Pohle (LINKE) der noch namenlose Platz zwischen der Kieler Straße und Am Rosenhag in »Guthmann-Platz« benannt.
Damit tragen zwei Plätze in Mahlsdorf den Namen von ehemaligen jüdischen Nachbarn. Bereits vor fünf Jahren wurde ein Platz nach Alice Herz benannt, die als jüdische Pazifistin in dem Ortsteil gelebt hatte. Beide Namen stehen aber auch für die unterschiedlichen Schicksale der jüdischen Bürger. Während die Familie Guthmann deportiert und im Konzentrationslager ermordet wurde, konnte Alice Herz über Frankreich in die Vereinigten Staaten auswandern. So wie ihnen erging es tausenden jüdischen Nachbarn im damaligen Bezirk Lichtenberg. Otto Guthmann kam nach der Machtergreifung der Nazis nach Mahlsdorf, weil er in der Lichtenberger Bornitzstraße als Jude und Sozialist nicht mehr sicher war. Von 1933 bis 1943 wohnte die Familie in der Lemkestraße 156, wo sie ein kleines Haus gebaut hatte. Otto Guthmann fand Arbeit beim Gleisbau der Deutschen Reichsbahn, er wurde zu einem der Repräsentanten der Synagogengemeinde zu Altlandsberg gewählt. Die Kaufmannsfrau von der Ecke Kieler Straße unterstützte die jüdische Familie mit Lebensmitteln, weil sie keine Lebensmittelkarten bekam. Der in der Nähe wohnende Fuhrunternehmer Ernst Boche bot dem Sohn Leopold Guthmann Arbeit an.
Nach dem 9. November 1938 durften die Kinder nicht mehr in Mahlsdorf zur Schule gehen, sondern mussten die jüdische Schule in der Kaiserstraße besuchen. Sohn Leopold konnte seine 1939 begonnene Ausbildung als Maurer nicht abschließen, da er zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde. Sein Bruder Berthold wurde im September 1942 verhaftet und starb im März 1945 im KZ Buchenwald. Otto, Hans und Leopold Guthmann wurden vor 65 Jahren, am 27. Februar 1943 im Zuge der sogenannten »Fabrikaktion« festgenommen. Charlotte Guthmann fuhr mit den beiden Mädchen in das Sammellager zu ihrem Mann, von wo alle vier nach Auschwitz deportiert wurden. Außer Sohn Leopold kam die ganze Familie um.
Erinnerung an jüdische Mitbürger
Ein neuer Platz in Mahlsdorf wurde gestern nach der Familie Guthmann benannt
Von Klaus Teßmann
Am östlichen Stadtrand Berlins lebten in den Jahren vor 1943 viele jüdischen Familien. Es waren Arbeiter und Angestellte, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler. Und auch in Mahlsdorf wurden in der Reichs-pogromnacht am 9. November 1938 Geschäfte geplündert, jüdische Nachbarn deportiert und im KZ ermordet.
Einigen gelang noch die Flucht, sie bauten sich in der Emigration ein neues Leben auf. Viele jüdische Familien kamen jedoch in die Vernichtungslager nach Buchenwald und Auschwitz und wurden ermordet. Zu ihnen gehört auch die Familie Guthmann aus Mahlsdorf-Nord. Zur Erinnerung an sie wurde gestern im Beisein von Leopold Guthmann und Bürgermeisterin Dagmar Pohle (LINKE) der noch namenlose Platz zwischen der Kieler Straße und Am Rosenhag in »Guthmann-Platz« benannt.
Damit tragen zwei Plätze in Mahlsdorf den Namen von ehemaligen jüdischen Nachbarn. Bereits vor fünf Jahren wurde ein Platz nach Alice Herz benannt, die als jüdische Pazifistin in dem Ortsteil gelebt hatte. Beide Namen stehen aber auch für die unterschiedlichen Schicksale der jüdischen Bürger. Während die Familie Guthmann deportiert und im Konzentrationslager ermordet wurde, konnte Alice Herz über Frankreich in die Vereinigten Staaten auswandern. So wie ihnen erging es tausenden jüdischen Nachbarn im damaligen Bezirk Lichtenberg. Otto Guthmann kam nach der Machtergreifung der Nazis nach Mahlsdorf, weil er in der Lichtenberger Bornitzstraße als Jude und Sozialist nicht mehr sicher war. Von 1933 bis 1943 wohnte die Familie in der Lemkestraße 156, wo sie ein kleines Haus gebaut hatte. Otto Guthmann fand Arbeit beim Gleisbau der Deutschen Reichsbahn, er wurde zu einem der Repräsentanten der Synagogengemeinde zu Altlandsberg gewählt. Die Kaufmannsfrau von der Ecke Kieler Straße unterstützte die jüdische Familie mit Lebensmitteln, weil sie keine Lebensmittelkarten bekam. Der in der Nähe wohnende Fuhrunternehmer Ernst Boche bot dem Sohn Leopold Guthmann Arbeit an.
Nach dem 9. November 1938 durften die Kinder nicht mehr in Mahlsdorf zur Schule gehen, sondern mussten die jüdische Schule in der Kaiserstraße besuchen. Sohn Leopold konnte seine 1939 begonnene Ausbildung als Maurer nicht abschließen, da er zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde. Sein Bruder Berthold wurde im September 1942 verhaftet und starb im März 1945 im KZ Buchenwald. Otto, Hans und Leopold Guthmann wurden vor 65 Jahren, am 27. Februar 1943 im Zuge der sogenannten »Fabrikaktion« festgenommen. Charlotte Guthmann fuhr mit den beiden Mädchen in das Sammellager zu ihrem Mann, von wo alle vier nach Auschwitz deportiert wurden. Außer Sohn Leopold kam die ganze Familie um.
jpohle - 29. Feb, 08:24






















